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Grüße aus der Sous Region

Das letzte Cotonouwochenende war mal wieder lustig und ich hab PIZZA und APFELKUCHEN mit SCHLAGSAHNE gegessen! Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie lecker das ist, wenn man die ganze Zeit hier auf dem Lande sein Manoik-, Yam- oder Maisgematsche mit Schleisoße, mit den Händen, isst. 

Äpfel sind hier total Mangeware. Die sind, wenn es sie gibt, aus Südafrika importiert und superteuer. Außerdem benutzt die afrikanische Küche keinen Backofen, deshalb ist Gebäck etwas unvorstellbar Leckes für mich gewordenJ! Milchprodukte sind meistens importiert und superteuer. Jetzt versteht Ihr vielleicht ein wenig besser meine Freude über diese Konsumgüter!

 

Eva, ein Mädel aus Bayreuth,  ist angereist. Sie arbeitet bei der GTZ (Gemeinschaft für technische Zusammenarbeit) und mit ihr werde ich Weihnachten verbringen. Bloß gut, dass sie da ist!  Was wir genau machen, wissen wir noch nicht so genau, aber ich wär ja für OzeanJ!

Als ich neulich bei mir die Treppe des Hauses hinunterging, hörte ich schon das Lied Jingle- Bells und ich dachte, ich hör nicht richtig. Da war Henriette, meine Vermieterin, gerade dabei, das Lied, was auf dem Flachbildschirm, der im Hof installiert ist, lief, voller Inbrunst mitzuträllern. Den Text konnte man mitlesen und so hörte ich dann hier in Lokossa englische Weihnachtslieder mit Schweißperlen aufm Rücken. Zur Musik wurden Bilder von Skipisten und verschneiten Wäldern gezeigt…bizarre!

 

Die Schüler müssen hier an den Schulen Schuluniform tragen. An dieser Schule tragen die Lerner blaue Hemden, wo folgendes drauf steht: „ Travail (Arbeit), discipline, réussite (Erfolg)“. Diesen Spruch finde ich pädagogisch überhaupt nicht wertvoll,  aber danach wird hier auch unterrichtet. In der Schule läuft weiterhin alles recht gut und die Lerner lernen fleißig die Deutsche Sprache. Warum gerade Deutsch, weiß auch keiner so genau, obwohl diese Sprache wohl doch noch sinnvoller als spanisch ist, da echt viele Deutsche Einrichtungen in Cotonou sind. Leider gibt es hier kein Goethe-Institut. Also, wenn ich alt und verschrumpelt und eine erfahrene Deutschtante bin, gehe ich nach Cotonou und eröffne da so ein Zentrum. Wenn das nicht klappt, kaufe ich mir ne Bastmatte und Orangen und liege den ganzen Tag auf dieser Matte rum, rühre mich nicht vom Fleck, auch nicht, wenn Kunden kommen, werde gaaanz dick und verkaufe Orangen aufm Markt oder anna Straße. Mal sehen. Da sind meine Zukunftspläne für BeninJ!

 

Apropos Schönheit! Diese Begriff wird hier ein wenig anders definiert. Weiß ist schön, deshalb gibt es hier so ne Creme, die die Haut weißer aussehen lässt und das ist voll à la mode. Auch gibt es hier nicht diesen „dürren Schönheitswahn“. Sehr viele Frauen sind sehr übergewichtig.  Es gibt aber auch Schönheitswettbewerbe. Einmal einen mit dürren Mädels, und dann gibt es hier noch einen, wer den dicksten Po hat. Das ist echt lustig. Hier gibt es einen Ort am Meer, der heißt „Grand Popo“J.

Hier, auf dem Lande, tragen so gut wie „alle“ sehr bunte Tücher. Entweder Wickelrock oder einen geschneiderten Rock, der sehr hinterteilsbetont ist, und mit dem man kaum laufen kann, nur so ne Tippelschritte (ich rede aus Erfahrung, da ich selber auch schon 2 solche „Kostümchen“ habe&hellip. Das Oberteil ist aus dem gleichen Stoff und auch sehr eng zurechtgeschnitten, sodass  ein JEDER sehen kann, was man hat oder auch nicht hat, jedoch  ist es aber nicht weit ausgeschnitten. Ich hab zu Henriette gesagt, dass ich diese Kleidung nur zur Kirche anziehen möchte, weil ich damit nicht Radfahren kann- puh, Glück gehabt!

Die Männer haben oft eine Schnurrbart und so ein kleines Ledertäschchen (à la Bernhard J– das ist mein Cousin), und Goldkettchen sind auch „in“. Nun zur Kleindung: Entweder tragen sie auch aus diesem bunten Stoff ein Ober- und Unterteil oder andere Varianten. Variante 1 sieht meistens ein wenig „pyjamamäßig“ aus. Als 2. Variante gibt es Baumwollplastegemischhosen, die Bügelfalten in der Mitte und Hosentaschen bis zu den Knien haben. Solche Hosen trage ich auch für die Schule. Variante 3 ist das „Caesargewand“, was die Männer hauptsächlich im Haus tragen. Das ist auch aus diesem bunten Stoff und erinnert sehr an ein „Caesargewand“, weil es genauso geschnitten ist.

Man muss aber dazu sagen, dass ich hier echt aufm Land bin und in Cotonou das schon alles wieder ganz anders aussieht.  

Nun wisst Ihr über die Mode de la „Sous- Région“- so heißt hier das Gebiet- Bescheid! 

 

Stresst Euch nicht so mit dem Weihnachtsgeschenkeeinkauf und ich schick Euch mal wieder n großes Bündel voller Sonnenstrahlen!

12.12.07 18:27


Unadventliche Gedanken

Bei Euch hat jetzt schon die Adventszeit angefangen. Das kann ich mir momentan gar nicht vorstellen, da ich hier außerhalb von Raum und Zeit im ewigen Hochsommer lebe und meine Melonen, Ananas und Papayas futtere. Ich hab sogar schon voll den weißen Abdruck von den Plastedingergurten  der Flipflops, sodass mein Fuß wegen der Sonnebräune an den Gurtstellen echt weiß ist und der Rest richtig dreckig aussieht. Ist aber nicht so, da ich ja hier ne Duschmacke habe!

 

Am Wochenende war ich mit nem Trupp Entwicklungshelfer auf dem Cotonouer Weihnachtsmarkt. Ich sag Euch, ca change!!! Das war der 1.Weihnachtsmarkt, wo ich ein T-Shirt trug und nicht gefroren habe. Am Eingang von diesem Markt war ein riesengroßer weißer Pappweihnachtsmann, von Coca-Cola gesponsert, befestigt. Globalisierung?! Dazu muss man sagen, dass hier sonst auf allen Werbeplakaten Schwarze abgebildet sind, was ja auch nahe liegt. Dann gabs auf dem Weihnachtsmarkt einen Rummel mit Kettenkarussell und Co. Auf diese Dinger sollte man aber eher nicht raufgehen, weil man nicht weiß, wie viele Jahrhunderte sie schon auf dem Buckel haben. Es gab sogar Weihnachtsbuden. Leider hatten die alle schon/noch zu, als wir kamen, insofern weiß ich nicht, was man da kaufen kann, aber eins steht fest, bestimmt keine gebrannten Mandeln! Ansonsten war überall Sand auf dem Boden, die Bäume hatten grüne Blätter und an ihnen waren auch Coca-Cola-Weihnachtswimpel angebracht worden. Da war dann n Weihnachtsmann mit ner Cola drauf zu sehen. Kurze Anmerkung für Malefu: Die Ranta-Plantagruppe hätte hier wirklich noch ein großes TätigkeitsfeldJ!  Soviel zum wahrscheinlich größten Weihnachtsmarkt in Benin!

 

Wie ich bereit schrieb, sind die Beniner große Künstler im Sachentransportieren. Ich hab neulich ein Mopedtaxi gesehen mit noch nem Fahrrad drauf. Hut ab! Da war dann der Fahrer, der Klient und dazwischen ein 28er Herrenfahrrad, das vielleicht schon 50 Jahre alt war, also so in etwa wie das meine in Leipzig. Das war wirklich beeindruckend!

 

Die Zemi-Johnfahrer, so heißen die Mopedtaxifahrer, sind jetzt meine Freunde geworden. Das ist echt schon was, weil diese Typen sonst immer versuchen einen übers Ohr zu hauen, da man ja weiß ist und sowieso gehört das zum guten Ton eines Zems. Man erkennt diese Zems an den gelben Hemden, die sie tragen. Oft hängen sie irgendwo rum und pennen auf ihren Mopeds. Ja, das geht, hätt ich vorher auch nicht für möglich gehalten, und das sieht bei ihnen richtig cool und stylisch aus!!! Ich hab da jetzt voll die Zemi-Johntaktik parat: man muss sie mit typischen Redewendungen des Französischen in Benin zutexten und dann noch 1-2 Wörter auf Fon einfließen lassen (das ist hier die meistgesprochene einheimische Sprache; ich kann auch allerhöchstens 5 Wörter auf Fon&hellip und so ist man der Held und kriegt einen prix d’ami (Freundschaftspreis)J! Das klappt gewiss!

 

Ansonsten rebelliere ich hier gerade ein wenig. Ich habe nämlich seit fast einer Woche meine „normale“ Frisur. Das ist prima! Ich erkenne mich selber wieder im Spiegel, juppi! Naja, meine Freundin Florence, die Friseuse ist zu ihrem Freund gefahren und kommt Ende der Woche wieder, insofern ist das gar nicht sooo revolutionär, aber der Mensch freut sich. Ich muss ehrlich gestehen, dass mir das zu peinlich wäre, Fotos mit traditionellem Gewand und Kinderfrisurzöpfchen ins Netz zu stellen. Danach redet Ihr kein Wort mehr mit mir oder denkt, dass ich total n Sonnenstich bekommen hab, deshalb bekommt ihr ein Bild mit „europäischer Frisur“J!

 

Die Klausurwoche ist ganz gut gelaufen, doch die Zensuren sind nicht soo gut ausgefallen, wie ich erwartet hatte und ich muss mit meinen Schülern noch mehr autonomes Lernen üben. Das geht echt nicht so wie das jetzt läuft, da ein abstrahierendes, selbständiges Arbeiten kaum möglich ist. Il y a du boulot!

6.12.07 20:36


Erfahrungen mit Examensstress

Die Klausurwoche ist angelaufen und die Lerner sind ganz eifrig dabei, ihre Examen zu schreiben. Ich hab diese Woche ein wenig mehr Zeit, da ich nur Montags unterrichtete und jetzt einfach so in den Deutschklausuren als „Autoritätsperson“ mit drinsitze.

 

Der Unterricht ist irgendwie noch ein Gradwanderung für mich und ich habe Kontakt zum Goethe- Institut in Lomé, Togo, aufgenommen. Wie ich zu der Ehre komme, dass der Leiter der Sprachabteilung Zeit dafür findet meine Emails zu beantworten, weiß ich nicht, jedoch ist das sehr hilfreich.

Ich unterrichte hier, wie Ihr Euch vorstellen könnt, eher die Fertigkeiten Sprechen und Hören. Es gibt im frankophonen Afrika aber ein Lehrbuch (es heißt „Ihr und Wir“- das sagt doch schon alles, oder?)mit dem sonst gearbeitet wird und welches ausschließlich Grammatik enthält. Die ist echt gepfeffert! Da haben manche deutsche Muttersprachler sogar Probleme mit. Naja, und die Lerner wollen eine Prüfung bestehen, die im Juni stattfindet und auf jenem Lehrbuch basiert. Daher rührt mein Problem…

…aber wie ich erfahren habe, kommen im April zwei neue Freiwillige hierher und sie werden wohl den Unterricht fortsetzen! Für mich bedeutet das, dass ich die Stunden weiterhin „europäisch“ mit Spielen, Dialogen und Hören gestalten kann und die Lerner dennoch dank der beiden Mädels das Examen bestehen werden! PRIMA!

An dieser Stelle geht ein großes Lob an Sylvia Goessel im Voraus, die bestimmt hervorragend die „neuen“ Feiwilligen ausgesucht hat und Du kannst Ihnen ausrichten, dass sie sich auf Benin freuen können!

 

Was mich ein wenig hier an der Schule ärgert, ist, dass ich immer noch, vor allem vom Kollegium gefragt werde, ob ich nicht Geschenke hätte. Gestern meinte der stellvertretende Direktor zu mir, dass ich wenn ich gehe, einen Laptop dalassen solle…So was nervt echt! Ich habe deshalb beschlossen, gar nichts zu schenken, wenn ich gehe, weil ich finde, dass mein Unterricht schon genug Geschenk an die Schule hier ist.

Man muss aber auch dazu sagen, dass der Computer im Sekretariat kaputt ist und ich den Laptop, den meine Organisation aus Deutschland hier gelassen hat, für den Unterricht und für die Blogberichte nutze. Jetzt gibt’s aber Engpässe und die Sekretärin und ich müssen uns ständig absprechen. Naja, ist schon mal gut, dass es hier dieses Hightechding gibt!

 

Ansonsten geht es mir echt ganz gut. Ich erfreue mich guter Gesundheit und habe grad Papaya mit Zitrone für mich neu entdeckt. Hmmmm…superlecker und nicht teuer und 100% Bio- wie eigentlich alles, was ich hier esseJ!

Nachher holt der eine Laufbursche der Familie, wo ich wohne, namens Amavie (so heißt er wirklich) noch ein paar Zitronen für mich vom Baum. Das finde ich toll! Ich hab das mittlerweile so eingefädelt, dass er auch 40 Orangen alle 5 Tage, also wenn Markt ist, für mich mitholt, weil ich die so schlecht mit dem Fahrrad transportieren kann. Das ist wirklich eine Erleichterung! Meine Gastfamilie geht nicht selber auf den Markt und kauft Obst und Gemüse ein, sondern schickt Amavie. Es gehört sich nicht, dass diese reiche Familie, die ein Etagenhaus hat, selbst auf den Markt geht und dort Erledigungen macht. Ich hingegen gehe sehr gerne auf den Markt. Da gibt’s immer was neues anzugucken! Das ist toll! Außer den Orangen kaufe ich aber alles selbst ein, da ich das nicht so weit kommen lassen möchteJ!

 

Die Vornamen sind hier echt n Kapitel für sich. Hier kommen ein paar mit deutscher Übersetzung in (): Lazard (hazard heißt Zufall auf frz), Amavie (an/für mein Leben), Dieudonné (Gott gegeben/ gibt)…ansonsten gibt es noch für die Frauen hauptsächlich biblische Namen und für die Männer auch noch so ein paar französische Standardnamen, wie Pierre und Brice. Diese Aneinanderreihung von französischen Wörtern als Namensgebung finde ich lustig. Meistens haben sie etwas mit Gott oder dem Glauben generell zu tun.

6.12.07 20:34


Gedanken einer Freistunde

Meine Lerner sind gerade nicht gekommen, sodass ich die Zeit nun nutzen kann, ein wenig von meinem Tun zu berichten. Irgendwie leide ich momentan ein wenig an Zeitmangel. Ich weiß auch nicht, wie ich das hinbekomme, aber es ist so. Also ich kann Euch ja mal meinen Tagesablauf schildern: Morgens um 6.45 klingelt mein Wecker und dann steh ich auch auf. Es ist meistens eh so heiß, dass man gar nicht länger schlafen könnte oder die ollen Vögel sind da schon wieder an meinem Fenster(ich habe sogar Fensterscheiben!!! toll!) und klopfen wie bekloppt dagegen. An meine Vögel hab ich mich aber mittlerweile schon gewöhnt. Ich ahnte ja eh schon, dass ich mindestens einen habe und füge mich nun dem Schicksal! Diese Tierchen haben ja auch meistens recht, da sie wirklich zu meiner Aufstehzeit kommen. Tja, und dann beginnt das Duschen. Ich dusche hier 4x am Tag. Das ist eine Macke von mir, die ich mir hier angewöhnt habe. Ich muss aber dazu sagen, dass ich durch die Stunde, die ich am Tag Fahrrad fahre, richtig durchgeschwitzt bin und das mehrmals am Tag! Um 8.00 habe ich meistens Unterricht und bin dann bis ca. 11.00 an der Schule und anschließend mache ich oft ein paar Besorgungen. Von 12.00-15.00 habe ich Mittagspause und da esse ich was und halte ein Nickerchen- ja, ich werde hier glaub ich echt alt, doch so ne Art Mittagsschlaf machen hier alle und das tut auch echt voll gut, wegen der Hitze und so. Dann schwinge ich mich gegen 14.30 auf mein grünes Gefährt, mein Fahrrad, und radele wieder gemächlich zur Schule. Um ca. 17.30 verlasse ich dann die Schule und fahre nach Hause und rede dann zu Hause ein wenig mit der Familie und bereite anschließend die Stunden für den nächsten Tag vor. Erst Abends komme ich zum Wäschewaschen oder zum Wohnungsputzen. Eigentlich haben hier alle besser betuchten Leute Hausangestellte. Meine Familie hat einen Laufburschen, der fegt, wischt und was weiß ich nicht alles macht, dann 1-2 Frauen, die Essen mitkochen und Wäschewaschen, dann 1 Chauffeur und dann noch so’ne Art Laufburschen. Nun glaubt aber mal nicht, dass die Kinder oder Henriette nichts machen, denn so ist’s bei Weitem nicht. Die Arbeit, die hier anfällt dauert länger als in Europa, da es z.B. auch keine Waschmaschine gibt oder Essenkochen für eine Mahlzeit schon mindestens 5 Stunden Präparation in Anspruch nimmt. Dass ich solche Arbeiten wie Wäschewaschen und Wohnung Wischen selber mache, darf ich nicht laut erzählen, weil sich das als Weiße schon gar nicht schickt… Naja, so bin ich dann meistens noch bis abends um 22.00 damit beschäftigt den Haushalt in Schuss zu halten, da man hier echt einigermaßen ordentlich sein muss, weil man sonst vielen unerwünschten Besuch bekommt, wie z.B. von recht großen Kakerlaken- die aber nichts tun und nur sehr beeindruckend aussehen! Ich hab mir aber zusätzlich ne riesengroße Packung Anitkakerlakenspray gekauft, mit der ich prophylaktisch jeden Tag einmal in jeden Raum reinsprühe. Ich komm mir mit dieser fast 0,5m großen Spraydose echt unwahrscheinlich cool vor! Das ist prima!!! Die nächste Woche ist Pflichtklausurwoche an der Schule, d.h, dass ich lauter Klausuren mit meinen Jungs schreiben werde. Oh Mann, die tun mir da echt Leid! Was für eine Machtposition Lehrer hier noch innehaben, ist echt nicht schön! Sogar ich könnte hier als Diktatorin „Damaris I.“ wüten- liegt mir aber nicht so, weil ich mir viel zu gern irgendwelche Spiele für die Lerner ausdenke und so was ist nicht diktatorisch, sondern eher didaktisch wertvoll! Ich hab munkeln hören, dass bei Euch schon geschneit hat, unglaublich!...ich hab jeden Tag T-Shirt & Sandaletten an…
22.11.07 15:30


Von unterschiedlichen Unterrichtsmethoden

Die Zeit vergeht auch hier wie im Fluge. Jetzt bin ich schon über einen Monat in Afrika, toll!!!

 

Die Fortschritte, die meine Lerner in Deutsch machen, sind sehr unterschiedlich. Ich weiß auch nicht so ganz, woran das liegt. Naja, vielleicht braucht manche Klasse ein wenig länger mit meiner „europäischen“ Unterrichtsweise „warm“ zu werden. Der unterscheidet sich doch schon en wenig sehr von dem hiesigen Unterricht.

Letzte Woche behandelte ich das Thema „Auf dem Markt“ mit einem Kurs. Das war echt toll! Ich habe die Lerner gebeten, etwas zu essen mitzubringen und so konnten wir Dialoge spielen und anschließend Orangen, Erdäpfel, Ananas… essen! Die Lerner waren ganz außer sich, dass man so etwas im Unterricht macht! Rollenspiele klappen auch immer besser, wobei ich finde, dass meine Lerner noch ein wenig kreativer werden könnten, aber das wird schon mit der Zeit kommen!

Anschließend sind wir dann wirklich auf den Markt gegangen, weil auch grad zufällig Markttag war und so konnten wir auf Deutsch Dinge einkaufen üben. Die Marktfrauen guckten uns ein wenig verdutzt an, was denn die vier jungen Männer mit dem weißen Mädel da machen und auf welcher Sprache sie da wohl versuchen zu sprechen. Das war bestimmt ein lustiges Bild!

Naja, der Unterricht „auf dem Markt“ war echt ein Ereignis. Mir haben meine Jungs da auch einiges Neues zeigen und erklären können. Ein Lerner will mir demnächst eine Spezialität backen! Das ist toll! Bin schon mal gespannt, was es denn sein mag. Ich hoffe mal nicht, dass er mit’ner gebratenen Ratte oder nem halblebenden Huhn ankommtJ! Neee, das Essen ist echt ganz gut hier!

 

Hier werden oft Lerner geschlagen, egal ob sie 5 oder 25 Jahre alt sind. Das ist echt krass!!! Ich war z.B. zu Hause und ein Hauslehrer hat der kleinen 8-jährigen Deborah mit einer Rute heftig auf die Finger gehauen, weil sie nicht wusste, ob 12 größer als 15 ist oder nicht. Die Eltern saßen ein paar Meter daneben und haben alles mitbekommen, aber nichts gesagt, weil das hier völlig normal ist. Mich hat das echt geschockt! Deborah meinte danach zu mir, dass das nicht schlimm sei, dass sie gehauen wird und dass das dazugehöre. Meine anderen „Gastgeschwister“ bestätigten mir diese These und sagten mir auch, dass sie gehauen werden. Sogar in der Kirche wollte eine fremde Frau das 1 ½ Kind neben mir mit einer Rute schlagen, weil es ein wenig geschrieen hat. Das konnte ich aber glücklicherweise verhindern!

Es gibt sogar speziell für Lehrer ein Schlaggerät zu kaufen. Das hat mich echt geschockt!!!

 

Demnächst werde ich mal für einem Tag nach Cotonou fahren, um da im Deutschunterricht in der französischen Schule zu hospitieren. Das wird echt spannend werden! Ich weiß aber schon, dass die Lehrer da nicht Schlagen dürfen, weil das eine Eliteschule ist. Ich muss mich bestimmt zusammenreißen da nicht die „Oberlehrerin“ rauszukehren. Wahrscheinlich fängt’s bei mir jetzt schon mit der Berufskrankheit an, immer alles besser zu wissen zu wollen…(Möchtegern)Lehrerpack!

 

Am Wochenende bin ich mal wieder  Cotonou gefahren, aber diesmal hatte ich mindestens 1000 Bananen um mich herum. Die Fahrt war sehr lustig, doch dauerte mit Hoechsttempo 40kmH ein wenig länger! Außerdem war ich im Atlantik baden! Das war prima! Die Vorstellung, dass man von dem Meer hier direkt bis zur Antarktis gelangen könnte, fand ich echt unglaublich! Die Landschaft, der Palmenwald, war echt beeindruckend zu sehen und es gab ganz hohe Wellen, sodass die Strömung echt stark warJ!

 

Ich wünsch Euch eine schöne Plätzchenback- und Teetrinkzeit! Esst mal ein Gebäck für mich mit!

20.11.07 14:19


Von Taxifahrten und Genderfragen

Jetzt möchte ich einmal ein wenig aus meinem Leben hier in Benin berichten, da ich am Wochenende in Cotonou war.

Ich habe ein Taxi genommen, um dorthin zum Flughafen zu kommen, da Jascha, ein Studienfreund aus Leipzig, um 20.00 abends ankommen sollte.

Taxifahren ist hier echt lustig: Dabei quetschen sich bis zu 8 Leute in einen „normalen“ PKW. Wobei der auch eigentlich auch nicht mehr normal aussieht, aber die Insassen zufrieden sind, solange er fährtJ. Der Fahrer geht auch selber auf Mitfahrersuche. Er fährt seine Route und hupt und schreit die ganze Zeit die Fahrtrichtung ausm Fenster und zeigt dabei mit dem Zeigefinger auf die Leute, die so um ihn herum sind. Ich kann Euch nur empfehlen, dass auhc mal auszuprobieren, so ganz schnell und die ganze Zeit Lokossa, Lokossa, Lokossa zu sagen und dann noch den Zeigefinger nicht vergessen! Lokossa ist endbetont! Ich hab mich echt kaputtgelacht, als ich das gesehen habe. Das fetzt!

 

Auf der Hinfahrt sah ich auf nem Autodach 4 lebende Schweine angebunden. Offensichtlich ist der Tierschutz bis hierher noch nicht so wirklich durchgedrungen. Naja, man transportiert eben alles, wirklich alles!

 

Das Flugzeug hatte zig Stunden Verspätung, doch ich kam mit 2 Nonnen ins Gespräch, die auch auf Leute warteten, die in diesen Flieger waren.

Die Nonnen luden mich zu sich mit ein und so verbrachte ich dann noch 5 Stunden zusammen mit ihnen in einem Viersternehotel! Das ist mir vorher auch noch nicht passiert, dass ich mich in so einem Luxusding wieder findeJ, dazu muss ich erst nach Afrika fahren!

 

Jascha kam dann irgendwann nachts, als schon keiner mehr damit rechnete an und wir wurden von seiner Organisation mit einem fetten Jeep mit deutscher und beniner Flagge zum Gästehaus des Deutschen Entwicklungsdienstes (ded) gebracht. J

 

Mir ist aufgefallen, dass das jetzt zum ersten Mal war, seitdem ich in Afrika bin, dass ich mit Weißen und dazu noch mit Männern so wirklich geredet habe. Ist doch schon echt anders, sich mit Europäern zu unterhalten.

 

Was mir hier aufgefallen ist, ist, dass die einheimischen Frauen mir gegenüber sehr aufgeschlossen sind und mir sehr hilfsbereit und zuvorkommend begegnen. Ich redete im Gästehaus mit der Haushälterin, einer Schwarzen, doch sobald Jascha dazukam, verstummte sie und begann erst wieder zu reden, als er weg war. Er berichtete mir genau das Gegenteil von afrikanischen Frauen. War schon komisch das so mitzuerleben.

Schwarzen Männern gegenüber bin ich jedoch sehr verschlossen geworden, da das irgendwie immer in ein Machtspiel ausartet, da das Verständnis der Gleichberechtigung der Geschlechter hier nicht (so) vorhanden ist, wie in Europa. Auch werde ich bei fast jeder neuen Begegnung mit Männern hier gefragt, ob ich nicht etwas mit ihnen unternehmen möchte, sie nicht heiraten möchte, Geschenke hätte oder Pläne, wie sie nach Europa kommen könnten. Das ist auf Dauer auch ein wenig anstrengend.

Mit meinen Jungs (ich habe ausschließlich Männer in den Klassen) an der Schule habe ich das aber alles schon in der ersten Unterrichtsstunde geregelt und nun können wir gut arbeitenJ.

Jascha sagte aber noch, dass er mit Männern echt gut reden kann und die Probleme, die ich hier habe , sich durchaus vorstellen kann. Bei ihm ist das überhaupt nicht so, ihm begegnen Männer immer sehr freundlich und zuvorkommend.

Ich sag Euch, Genderstudies ist ein weites Feld!

 

So viel für heute! Bleibt gesund und kriegt keine Erkältung! Ich bin auch noch quietsch fidel, dank der 10 Orangen, die ich täglich futtere!

12.11.07 10:30


Niemand is(s)t für sich allein

Einige von Euch fragten mich, was man denn hier so isst, also werde ich diesen Bericht vorrangig dem Essen widmen.

 

Viele Leute trinken hier morgens so’n Brei, der aus Maniok- oder Maismehl besteht und ein wenig klumpig ist und aussieht- wie unser Mehl mit Wasser vermischt-, aber das ganze muss man sich ein wenig schleimiger vorstellen. Man kann da Erdnüsse reinmachen und Zucker und dann ist das ganze echt lecker und erinnert mich ein wenig an Müsli. Man macht diesen Brei entweder selber zu Hause oder man kauft ihn jeden morgen, da er sich nur einen Tag hält. Ich muss gestehen, dass ich Haferflocken gefunden habe und diese mit Wasser und Obst morgens warm mache und das schmeckt sehr lecker, obwohl’s nicht so klingt. J

 

Gasflaschen sind seit einer Woche ausgegangen und in ganz Lokossa nicht mehr zu haben, das heißt, dass die Leute jetzt mit Holzkohle ihr Essen zubereiten. Eine Essenspraeparation dauert mindestens 4 Stunden. Die Frauen leisten hier echt Enormes!

Mittags gibt es immer etwas warmes und meistens „la pâte“. Das ist ein Brei, der aus Mais, Yams oder Maniok besteht. Das Gemüse wurde 2-3 Tage vorher in Wasser eingeweicht, vorher getrocknet und dann wird das ganze zerstampft und wieder in Wasser eingeweicht und anschließend wird es dann so ein grauer, weißer oder brauner Brei, der eine Puddingkonsistenz hat und vom Geschmack her ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, jedoch finde ich ihn jetzt ganz essbar. Dazu gibt es dann meistens Fische, der ganz frisch ist und wirklich lecker ist und dann  noch ne sehr scharfe Tomatensoße dazu. Diese Soße braucht bestimmt auch 4-6 Stunden Präparationszeit. Für mich lässt die Familie immer ein paar Gewürze weg. Das ist echt lieb, weil ich sonst das Gefühl habe, Feuer zu speien. Diesmal bin ich ja nicht unter die Gaukler und Zirkusmenschen gegangen. J

Reis gibt es auch öfter mal und wenn man in Eile ist, dann gibt’s auch mal Nudeln. Was hier sehr lecker ist, dass sind die frittierten Sachen, wie z.B. Kochbananen oder Yams.

Kartoffeln kann man auch kaufen, doch die sind teuer und/ oder werden importiert.

Weißbrot gibt es hier auch, einmal gesüßt und einmal gesalzen. Butter und Joghurt kann man schon kaufen, doch diese Dinge sind superteuer und die kaufe ich mir hier nicht, da ich auch keinen Kühlschrank habe.

Man isst hier zweimal am Tag warm , doch das mache ich nicht, weil ich nach so viel Brei sehr schlecht einschlafen kann.

Das Obst ist hier sehr sehr lecker. Ich esse momentan bestimmt 10 Orangen am Tag. Ananas und Bananen mag ich auch sehr. Dann gibt’s noch Mangos und Papaya und die Erdnüsse sind echt lecker hier!

 

An Gemüse kann man Zucchini, Auberginen, Tomaten, Knoblauch und Zwiebeln kaufen.

 

Neulich habe ich eine Schokolade geschenkt bekommen, doch die war nicht lecker und ich legte sie unbedacht weg. Am nächsten Tag war die Schokolade noch da, aber diesmal mit Fleischbeilage. Man muss hier alles, wirklich alles supergut verpacken, damit da keine Viecher rangehen. Anfangs fand ich das nervig, doch man gewöhnt sich dran.

 

Nun glaubt ihr bestimmt, dass hier alle Leute ganz dünne sind, aber das ist nicht so. Sehr viele Frauen und auch alle Kinder in der Familie, wo ich wohne, sind dick. Das ist aber auch kein Wunder, weil sie sich nicht bewegen, sondern den ganzen Tag von 8.00 bis 22.00 sitzen und Schule haben oder was für die Schule machen. Das ist unglaublich. Ich würde hier nicht in die Schule gehen wolle. Das fetzt nicht.

 

Eine Weitere Sache, die mir hier auffällt ist, dass man nie, wirklich nie jemanden sich küssen oder umarmen oder Händchen halten sieht. Nicht mal Ehepaare tauschen in der Öffentlichkeit Berührungen jeglicher Art aus. Komisch!

 

Ich bekomme Besuch!!! Jascha, ein Freund vom Afrikanistikstudium, Uni Leipzig, kommt Anfang November für sein Praktikum nach Cotonou und ich werde ihn von Flieger abholen. Sehr sehr schön! J

 

Ich sende Euch für diese triste europäische Jahreszeit ganz ganz viele Sonnenstrahlen, die Euch den Rücken und den Bauch erwärmen! Spürt Ihr sie schon?

5.11.07 16:23


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