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Erfahrungen mit Examensstress

Die Klausurwoche ist angelaufen und die Lerner sind ganz eifrig dabei, ihre Examen zu schreiben. Ich hab diese Woche ein wenig mehr Zeit, da ich nur Montags unterrichtete und jetzt einfach so in den Deutschklausuren als „Autoritätsperson“ mit drinsitze.

 

Der Unterricht ist irgendwie noch ein Gradwanderung für mich und ich habe Kontakt zum Goethe- Institut in Lomé, Togo, aufgenommen. Wie ich zu der Ehre komme, dass der Leiter der Sprachabteilung Zeit dafür findet meine Emails zu beantworten, weiß ich nicht, jedoch ist das sehr hilfreich.

Ich unterrichte hier, wie Ihr Euch vorstellen könnt, eher die Fertigkeiten Sprechen und Hören. Es gibt im frankophonen Afrika aber ein Lehrbuch (es heißt „Ihr und Wir“- das sagt doch schon alles, oder?)mit dem sonst gearbeitet wird und welches ausschließlich Grammatik enthält. Die ist echt gepfeffert! Da haben manche deutsche Muttersprachler sogar Probleme mit. Naja, und die Lerner wollen eine Prüfung bestehen, die im Juni stattfindet und auf jenem Lehrbuch basiert. Daher rührt mein Problem…

…aber wie ich erfahren habe, kommen im April zwei neue Freiwillige hierher und sie werden wohl den Unterricht fortsetzen! Für mich bedeutet das, dass ich die Stunden weiterhin „europäisch“ mit Spielen, Dialogen und Hören gestalten kann und die Lerner dennoch dank der beiden Mädels das Examen bestehen werden! PRIMA!

An dieser Stelle geht ein großes Lob an Sylvia Goessel im Voraus, die bestimmt hervorragend die „neuen“ Feiwilligen ausgesucht hat und Du kannst Ihnen ausrichten, dass sie sich auf Benin freuen können!

 

Was mich ein wenig hier an der Schule ärgert, ist, dass ich immer noch, vor allem vom Kollegium gefragt werde, ob ich nicht Geschenke hätte. Gestern meinte der stellvertretende Direktor zu mir, dass ich wenn ich gehe, einen Laptop dalassen solle…So was nervt echt! Ich habe deshalb beschlossen, gar nichts zu schenken, wenn ich gehe, weil ich finde, dass mein Unterricht schon genug Geschenk an die Schule hier ist.

Man muss aber auch dazu sagen, dass der Computer im Sekretariat kaputt ist und ich den Laptop, den meine Organisation aus Deutschland hier gelassen hat, für den Unterricht und für die Blogberichte nutze. Jetzt gibt’s aber Engpässe und die Sekretärin und ich müssen uns ständig absprechen. Naja, ist schon mal gut, dass es hier dieses Hightechding gibt!

 

Ansonsten geht es mir echt ganz gut. Ich erfreue mich guter Gesundheit und habe grad Papaya mit Zitrone für mich neu entdeckt. Hmmmm…superlecker und nicht teuer und 100% Bio- wie eigentlich alles, was ich hier esseJ!

Nachher holt der eine Laufbursche der Familie, wo ich wohne, namens Amavie (so heißt er wirklich) noch ein paar Zitronen für mich vom Baum. Das finde ich toll! Ich hab das mittlerweile so eingefädelt, dass er auch 40 Orangen alle 5 Tage, also wenn Markt ist, für mich mitholt, weil ich die so schlecht mit dem Fahrrad transportieren kann. Das ist wirklich eine Erleichterung! Meine Gastfamilie geht nicht selber auf den Markt und kauft Obst und Gemüse ein, sondern schickt Amavie. Es gehört sich nicht, dass diese reiche Familie, die ein Etagenhaus hat, selbst auf den Markt geht und dort Erledigungen macht. Ich hingegen gehe sehr gerne auf den Markt. Da gibt’s immer was neues anzugucken! Das ist toll! Außer den Orangen kaufe ich aber alles selbst ein, da ich das nicht so weit kommen lassen möchteJ!

 

Die Vornamen sind hier echt n Kapitel für sich. Hier kommen ein paar mit deutscher Übersetzung in (): Lazard (hazard heißt Zufall auf frz), Amavie (an/für mein Leben), Dieudonné (Gott gegeben/ gibt)…ansonsten gibt es noch für die Frauen hauptsächlich biblische Namen und für die Männer auch noch so ein paar französische Standardnamen, wie Pierre und Brice. Diese Aneinanderreihung von französischen Wörtern als Namensgebung finde ich lustig. Meistens haben sie etwas mit Gott oder dem Glauben generell zu tun.

6.12.07 20:34


Unadventliche Gedanken

Bei Euch hat jetzt schon die Adventszeit angefangen. Das kann ich mir momentan gar nicht vorstellen, da ich hier außerhalb von Raum und Zeit im ewigen Hochsommer lebe und meine Melonen, Ananas und Papayas futtere. Ich hab sogar schon voll den weißen Abdruck von den Plastedingergurten  der Flipflops, sodass mein Fuß wegen der Sonnebräune an den Gurtstellen echt weiß ist und der Rest richtig dreckig aussieht. Ist aber nicht so, da ich ja hier ne Duschmacke habe!

 

Am Wochenende war ich mit nem Trupp Entwicklungshelfer auf dem Cotonouer Weihnachtsmarkt. Ich sag Euch, ca change!!! Das war der 1.Weihnachtsmarkt, wo ich ein T-Shirt trug und nicht gefroren habe. Am Eingang von diesem Markt war ein riesengroßer weißer Pappweihnachtsmann, von Coca-Cola gesponsert, befestigt. Globalisierung?! Dazu muss man sagen, dass hier sonst auf allen Werbeplakaten Schwarze abgebildet sind, was ja auch nahe liegt. Dann gabs auf dem Weihnachtsmarkt einen Rummel mit Kettenkarussell und Co. Auf diese Dinger sollte man aber eher nicht raufgehen, weil man nicht weiß, wie viele Jahrhunderte sie schon auf dem Buckel haben. Es gab sogar Weihnachtsbuden. Leider hatten die alle schon/noch zu, als wir kamen, insofern weiß ich nicht, was man da kaufen kann, aber eins steht fest, bestimmt keine gebrannten Mandeln! Ansonsten war überall Sand auf dem Boden, die Bäume hatten grüne Blätter und an ihnen waren auch Coca-Cola-Weihnachtswimpel angebracht worden. Da war dann n Weihnachtsmann mit ner Cola drauf zu sehen. Kurze Anmerkung für Malefu: Die Ranta-Plantagruppe hätte hier wirklich noch ein großes TätigkeitsfeldJ!  Soviel zum wahrscheinlich größten Weihnachtsmarkt in Benin!

 

Wie ich bereit schrieb, sind die Beniner große Künstler im Sachentransportieren. Ich hab neulich ein Mopedtaxi gesehen mit noch nem Fahrrad drauf. Hut ab! Da war dann der Fahrer, der Klient und dazwischen ein 28er Herrenfahrrad, das vielleicht schon 50 Jahre alt war, also so in etwa wie das meine in Leipzig. Das war wirklich beeindruckend!

 

Die Zemi-Johnfahrer, so heißen die Mopedtaxifahrer, sind jetzt meine Freunde geworden. Das ist echt schon was, weil diese Typen sonst immer versuchen einen übers Ohr zu hauen, da man ja weiß ist und sowieso gehört das zum guten Ton eines Zems. Man erkennt diese Zems an den gelben Hemden, die sie tragen. Oft hängen sie irgendwo rum und pennen auf ihren Mopeds. Ja, das geht, hätt ich vorher auch nicht für möglich gehalten, und das sieht bei ihnen richtig cool und stylisch aus!!! Ich hab da jetzt voll die Zemi-Johntaktik parat: man muss sie mit typischen Redewendungen des Französischen in Benin zutexten und dann noch 1-2 Wörter auf Fon einfließen lassen (das ist hier die meistgesprochene einheimische Sprache; ich kann auch allerhöchstens 5 Wörter auf Fon&hellip und so ist man der Held und kriegt einen prix d’ami (Freundschaftspreis)J! Das klappt gewiss!

 

Ansonsten rebelliere ich hier gerade ein wenig. Ich habe nämlich seit fast einer Woche meine „normale“ Frisur. Das ist prima! Ich erkenne mich selber wieder im Spiegel, juppi! Naja, meine Freundin Florence, die Friseuse ist zu ihrem Freund gefahren und kommt Ende der Woche wieder, insofern ist das gar nicht sooo revolutionär, aber der Mensch freut sich. Ich muss ehrlich gestehen, dass mir das zu peinlich wäre, Fotos mit traditionellem Gewand und Kinderfrisurzöpfchen ins Netz zu stellen. Danach redet Ihr kein Wort mehr mit mir oder denkt, dass ich total n Sonnenstich bekommen hab, deshalb bekommt ihr ein Bild mit „europäischer Frisur“J!

 

Die Klausurwoche ist ganz gut gelaufen, doch die Zensuren sind nicht soo gut ausgefallen, wie ich erwartet hatte und ich muss mit meinen Schülern noch mehr autonomes Lernen üben. Das geht echt nicht so wie das jetzt läuft, da ein abstrahierendes, selbständiges Arbeiten kaum möglich ist. Il y a du boulot!

6.12.07 20:36


Grüße aus der Sous Region

Das letzte Cotonouwochenende war mal wieder lustig und ich hab PIZZA und APFELKUCHEN mit SCHLAGSAHNE gegessen! Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie lecker das ist, wenn man die ganze Zeit hier auf dem Lande sein Manoik-, Yam- oder Maisgematsche mit Schleisoße, mit den Händen, isst. 

Äpfel sind hier total Mangeware. Die sind, wenn es sie gibt, aus Südafrika importiert und superteuer. Außerdem benutzt die afrikanische Küche keinen Backofen, deshalb ist Gebäck etwas unvorstellbar Leckes für mich gewordenJ! Milchprodukte sind meistens importiert und superteuer. Jetzt versteht Ihr vielleicht ein wenig besser meine Freude über diese Konsumgüter!

 

Eva, ein Mädel aus Bayreuth,  ist angereist. Sie arbeitet bei der GTZ (Gemeinschaft für technische Zusammenarbeit) und mit ihr werde ich Weihnachten verbringen. Bloß gut, dass sie da ist!  Was wir genau machen, wissen wir noch nicht so genau, aber ich wär ja für OzeanJ!

Als ich neulich bei mir die Treppe des Hauses hinunterging, hörte ich schon das Lied Jingle- Bells und ich dachte, ich hör nicht richtig. Da war Henriette, meine Vermieterin, gerade dabei, das Lied, was auf dem Flachbildschirm, der im Hof installiert ist, lief, voller Inbrunst mitzuträllern. Den Text konnte man mitlesen und so hörte ich dann hier in Lokossa englische Weihnachtslieder mit Schweißperlen aufm Rücken. Zur Musik wurden Bilder von Skipisten und verschneiten Wäldern gezeigt…bizarre!

 

Die Schüler müssen hier an den Schulen Schuluniform tragen. An dieser Schule tragen die Lerner blaue Hemden, wo folgendes drauf steht: „ Travail (Arbeit), discipline, réussite (Erfolg)“. Diesen Spruch finde ich pädagogisch überhaupt nicht wertvoll,  aber danach wird hier auch unterrichtet. In der Schule läuft weiterhin alles recht gut und die Lerner lernen fleißig die Deutsche Sprache. Warum gerade Deutsch, weiß auch keiner so genau, obwohl diese Sprache wohl doch noch sinnvoller als spanisch ist, da echt viele Deutsche Einrichtungen in Cotonou sind. Leider gibt es hier kein Goethe-Institut. Also, wenn ich alt und verschrumpelt und eine erfahrene Deutschtante bin, gehe ich nach Cotonou und eröffne da so ein Zentrum. Wenn das nicht klappt, kaufe ich mir ne Bastmatte und Orangen und liege den ganzen Tag auf dieser Matte rum, rühre mich nicht vom Fleck, auch nicht, wenn Kunden kommen, werde gaaanz dick und verkaufe Orangen aufm Markt oder anna Straße. Mal sehen. Da sind meine Zukunftspläne für BeninJ!

 

Apropos Schönheit! Diese Begriff wird hier ein wenig anders definiert. Weiß ist schön, deshalb gibt es hier so ne Creme, die die Haut weißer aussehen lässt und das ist voll à la mode. Auch gibt es hier nicht diesen „dürren Schönheitswahn“. Sehr viele Frauen sind sehr übergewichtig.  Es gibt aber auch Schönheitswettbewerbe. Einmal einen mit dürren Mädels, und dann gibt es hier noch einen, wer den dicksten Po hat. Das ist echt lustig. Hier gibt es einen Ort am Meer, der heißt „Grand Popo“J.

Hier, auf dem Lande, tragen so gut wie „alle“ sehr bunte Tücher. Entweder Wickelrock oder einen geschneiderten Rock, der sehr hinterteilsbetont ist, und mit dem man kaum laufen kann, nur so ne Tippelschritte (ich rede aus Erfahrung, da ich selber auch schon 2 solche „Kostümchen“ habe&hellip. Das Oberteil ist aus dem gleichen Stoff und auch sehr eng zurechtgeschnitten, sodass  ein JEDER sehen kann, was man hat oder auch nicht hat, jedoch  ist es aber nicht weit ausgeschnitten. Ich hab zu Henriette gesagt, dass ich diese Kleidung nur zur Kirche anziehen möchte, weil ich damit nicht Radfahren kann- puh, Glück gehabt!

Die Männer haben oft eine Schnurrbart und so ein kleines Ledertäschchen (à la Bernhard J– das ist mein Cousin), und Goldkettchen sind auch „in“. Nun zur Kleindung: Entweder tragen sie auch aus diesem bunten Stoff ein Ober- und Unterteil oder andere Varianten. Variante 1 sieht meistens ein wenig „pyjamamäßig“ aus. Als 2. Variante gibt es Baumwollplastegemischhosen, die Bügelfalten in der Mitte und Hosentaschen bis zu den Knien haben. Solche Hosen trage ich auch für die Schule. Variante 3 ist das „Caesargewand“, was die Männer hauptsächlich im Haus tragen. Das ist auch aus diesem bunten Stoff und erinnert sehr an ein „Caesargewand“, weil es genauso geschnitten ist.

Man muss aber dazu sagen, dass ich hier echt aufm Land bin und in Cotonou das schon alles wieder ganz anders aussieht.  

Nun wisst Ihr über die Mode de la „Sous- Région“- so heißt hier das Gebiet- Bescheid! 

 

Stresst Euch nicht so mit dem Weihnachtsgeschenkeeinkauf und ich schick Euch mal wieder n großes Bündel voller Sonnenstrahlen!

12.12.07 18:27





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