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Weihnachten und Sylvester in Afrika

Das erste Fest ist schon vorbei und ich glaube, dass ich Euch nicht einmal frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr gewuenscht habe! Also, ich wuensche Euch alles alles Gute fuer 2008 und ich wuensche mir vor allem, dass wir uns dann irgendwann mal wiedersehen werden! Das waer echt schoen!

 

Ich hab die Zeit um Weihnachten sehr wasserhaltig verbracht und dreimal duerft ihr raten wo: ja in Cotonou! Ich war die Tage oft im Atlantik schwimmen, sogar einmal in einer Lagune und war auch Kanu fahren. Das war echt traumhaft. Haett ich nicht gedacht, dass ich hier zum Kanufahren kommen wuerde! Ich hab mich richtig gefreut, jetzt im Warmen zu sein und die Festtage mal gaaanz anders zu gestalten! Das hat schon wasJ!

 

Am 24. besuchte ich mal wieder den schon so oft erwähnten Entwicklungshelfertrupp im DED-Gaestehaus. Da kommen immer mal wieder neue Leute an. Das ist voll schoen, da uns ja einige liebe Leute einfach so fuer die Feiertage verliessen…die SchufteL! Cotonou ist ein Dorf, weil man eher frueher als spaeter fast alle Leute, die in Benin in der Entwicklungshilfe taetig sind, kennenlernt.
So gingen wir dann alle fuer den Weihnachtsschmaus zum Autor, der den “Kauderwelschsprachfuehrer” mit seiner Freundin zusammen fuer Benin geschrieben hatte. Der Gottesdienst fing um 22.00 an und die Kirche war ueberfuellt, obwohl es nicht mal die Christvesper war. Dort wurde dann getanzt, gebetet, gesungen und die Einheimischen hatten sich alle superschick gemacht, da  das hier zum Gottesdienst dazugehoert. Ich war aber gluecklicherweise „europaeisch“ gekleidet. Ansonsten habe ich an jenem Abend etwas von Eseln und Haeuserbauen in Marokko erfahren. Hochinteressant, das sag ich Euch!

 

Hier auf dem Lande, also in Lokossa, wird zu Weihnachten, am 25., in die Kirche gegangen.  Ein paar Tage vorher oder nachher werden dann die kleineren Kinder der Familie, beschenkt. Plastespielzeuge, die mit ner Batterie betrieben und in China oder so hergestellt werden, sind “in”. Das fand ich nicht so toll, weil ich dann den ganzen Tag Beschallung von irgendwelchen komischen Spielzeugen hatte.
Ein wenig befremdend war, dass unter den Erwachsenen oder auch in der Familie ansonsten gar keine Geschenke an diesem Tag vergeben wurden! Gluecklicherweise habt Ihr mich die Tage in vielerlei Hinsicht mit Gedanken, Mails und vielen mehr beschenkt! Vielen Dank Euch! Hat mich echt seeehr erfreutJ! Jedoch sind wohl einige Briefe, die ich geschrieben habe, wohl nicht angekommen und einige Briefe von Euch leider auch nicht, schade…L

 

Zurueck nach Lokossa: Weihnachtsschmuck leisten sich nur sehr wohlhabende Familien. Da wird dann ein Plastetannenbaum aufgestellt, den man anschliessend mit Plastekugeln und ner bunten Lichterkette schmueckt. Man stellt ihn am besten ins Wohnzimmer, neben dem Fernsehen und dem Kuehlschrank, damit ein Jeder sehen kann, was man nicht fuer tolle Sachen hat. Das ist aber auch wirklich der einzige Schmuck, den ich hier in Lokossa gesehen habe, also ist alles eher ein wenig dezenter gehalten, als im aufregend bunt flackernden “Weihnachtsdeutschland”.
Achso, mir faellt grad ein, dass sich alle Leute um die Festtage rum, eine schicke Haarfrisur machen und auch ein neues Gewand fuer die Kirche schneidern lassen. Ich hab beides erfolgreich abwehren koennen. Das war echt gut. Mein Haar gehoert mir und was soll ich mit so vielen Gewaendern, die ich nicht anziehe? Ich hab das ein wenig taktvoller der Familie hier erklaeren koennen!

 

Also, Sylvester verbringe ich wieder mit dem Entwicklungshelfertrupp am Atlantik mit Band und pennen am Strand! Mut zur Muecke, sag ich da nur!   

 

2.1.08 20:48


Von Kugeleis und Bakterien

Yuppi, seit heute, also Freitag hab ich Besuch, meinen allerersten Yovobesuch -also von einer Weissen- in Lokossa. Das ist schoen. Sie heisst Tine und ist vom ASAprogramm aus hier im Norden Benins taetig gewesen und nun auf dem Heimflug. Ab Montag kommt auch Tobias, der den Kauderwelschsprachfuehrer Benins geschrieben hat vorbei, weil er hier fuer die GTZ irgendwelche Wasseruntersuchungen anstellen muss! Das ist wirklich prima!!! Nun bin ich fuer kurze Zeit nicht mehr die einzige junge Weisse in Lokossa! Schoen! Als ich zu Sylvester nach Cotonou fahren wollte, war etwas komisch. Es waren kaum Taxen unterwegs, die nach Lokossa reinfuhren. Ich hab aber eine Taxe Richtung Cotonou bekommen, doch die fuhr nicht nur 3 Km, da Zoellner die Strasse nach Cotonou absperrten, um sich selber zu beschenken. Korruption pur. Es war eine riesenlange Schlange von Autos und Menschenmassen zu sehen und das in beide Richtungen. Nichts bewegte sich weiter. Der Taxifahrer war auch total nervoes, hatte richtig Muffensausen vor den Zoellnern, und wollte auch gar nicht nah ranfahren. Er meinte, dass wir alle aussteigen sollten und mit einem Mopedtaxi 10km weit fahren sollten und dass wir uns dann da irgendwo wiedertraefen. Ich hab mir das Gewarte etwa eine Stunde mitangesehen und kam mit einer sehr lieben muslimischen Studentin ins Gespraech und wir beschlossen dann ein anderes Auto uns zu suchen. Die Familie, die uns mitnahm, wollte nur kurz was bei ihrer Familie im Busch abgeben und dann weiter nach Cotonou fahren. Jedoch zog sich dieses “ganz kurz” 2 Stunden hin… irgendwann kam ich dann doch noch wohlbehalten, stinkend und total hungrig in Cotonou an. Karola, bei der ich da immer wohnen darf, empfing mich mit ECHTEM Kugeleis! Ich sag Euch, das war sooo lecker! So was hab ich das letzte Mal in Deutschland gegessen! Sylvester hab ich am Strand mit jenem Entwicklungshelfertrupp, der sich mal vergroessert und mal verkleinert, verbracht. Aus dem Pennen am Atlantik wurde nichts, weil ich mit einigen Bakterien zu kaempfen hatte bzw. noch ein wenig habe. Aber das ist kein Grund zur Beunruhigung! Ich hatte ein kleines Ereignis, was mich sehr erfreute. Ich ging am 31. so durch meinen Stadteil in Cotonou, um zur Fete zu gelangen und da hielt ploetzlich ein grosser weisser GTZ-Jeep mit dem Emblem “Cooperation Allemande\ Beninoise” und den beiden Flaggen drauf und da guckte so ein Franzose aus dem Jeep, gruesste und fragt mich, ob er mich nicht irgendwo hin mitnehmen koennte. Ich hatte mit diesem Mann schon mal auf einer Fete geredet und irgendwie hat mich diese Begegnung voll erfreut, weil man mich wohl auch schon in Cotonou kennt! Das war so ein Heimatgefuehl, sehr schoen! Natuerlich koennte man auch sagen, dass sich die Entwicklungshelfer eh andauernd an allen Ecken und Enden wiedertreffen, aber so moecht ich das jetzt grad mal nicht sehen! Die Schule geht Montag wieder los. Ich war ab und zu mal gucken, ob da schon jemand ist, weil ich gern einige Dinge schreiben wollte, aber Ferien sind Ferien und das gilt auch fuer Afrika, d.h. man erreicht gar keinen! Hier ist es kuehler geworden, vielleicht so etwa 3 Grad weniger: nun sieht man viele Leute mit Steppjacken und Handschuhen rumlaufen: Pudelmuetzen sind auch voll im Trend. Ich hab mich schon gewundert, warum hier Leute rumgehen, die solche Dinge verkaufen, aber die Nachfrage besteht wirklich. Meine Vermieter erwaermen sogar das Wasser, um sich waschen zu koennen. Das finde ich dann doch ein wenig uebertrieben, bei den 25 Grad, die wir dann doch noch haben. So viel aus der Sous- Région fuer heute! Passt auf Euch auf und wir sehen uns hoffenltihc in diesem Jahr irgendwann mal wieder!
16.1.08 18:18


Preise für Weiße

So, nach einer längeren Pause bin ich wieder da. Ich war ein wenig krank, hatte mehrere Beschwerden gleichzeitig und konnte deshalb nicht arbeiten und auch nicht an Euch schreiben.

 

Tine, mein Lokossabesuch blieb eine Woche und danach fuhren wir nach Cotonou. Wir waren DIE Frauen-WG in der ganzen Sous- Région, doch wenn man ehrlich ist, eher eine Krankenpflegestation, weil wir uns gegenseitig mitm Fieber und so abwechselten…Cotonou war wie immer prima und ich werde ab Februar richtig in Cotonou wohnen, Hausarbeiten schreiben und ein wenig reisen. Ich muss doch mal sehen, was Rosi in Niamey so machtJ! Ansonsten war ich mit dem Entwicklunsghelfertrupp am Sonntag wieder am Ozean, beim Aussteigerfranzosen, um zu baden und Kokosnüsse zu trinken bzw. zu essen. Ein andermal waren wir  europäisch essen, ich war noch bei diversen Ärzten und außerdem am Ausruhen!

 

Ich war in diesem Zuge zum ersten Mal in der Apotheke Lokossas. Man kann da alles ohne Rezept kaufen. Sie wollten mir gleich Antibiotika einfach so mitgeben, obwohl ich nur Antihalswehbonbons haben wollte. Die Medikamente werden oft auch nicht in eingeschweißten Verpackungen verkauft, sondern löffelweise abgewogen und dem Kunden dann je nach Bedarf mitgegeben. Das ist dann so billiger für die Kunden.

Sehr kompetent sind die Apotheker hier auch nicht. Nachdem ich selber von weitem Gesehen hatte, was ich brauchte, meinte die Apothekerin zu mir, dass ich ja noch mal extra was zu geben hätte, weil ich ja weiß sei und sie mir die Bonbons so „kompetent“ herausgesucht hatte. Naja, ich bleibe hier wohl immer „die Weiße“, egal wie lange man irgendwo in Afrika wohnt.

 

Nun bin ich wieder in Lokossa und werde meine Lerner nach dieser langen Pause mal wieder unterrichten. Dazu muss ich sagen, dass ich am 7.01. ganz normal meine Kurse geben wollte, es auch tat, aber mich dann mit Fieber im Bett wieder fand. Naja, zum Glück war Tine da, die vorzüglichen Tee kochen kannJ!

Nun hatten einige Klassen das letzte Mal Deutsch vor den Weihnachtsferien und das ist wirklich schon ne Weile her. Hoffentlich haben sie nicht alles vergessen, aber ich glaub mal nicht!

Bei meiner Gastfamilie kann ich noch bis Ende Januar wohnen und so meine Lerner noch ein wenig mehr von der Deutschen Sprache mit auf den Weg geben, was sehr gut ist, da sie bald eine große Prüfung zu schreiben haben.

 

Die Sprache hier ist echt total lustig. Ich erwische mich auch schon des Öfteren dabei, wie ich mit manchen Einheimischen genauso rede, wie es hier üblich ist, also mit echt merkwürdigen RedewendungenJ!

 

Das Wochenende fahre ich mit nem anderen Entwicklungshelfer nach Ouidah, um ein Strandwochenende zu machen. Er ist Franzose und da werd ich wahrscheinlich erst die Ausmaße meines Verfalls der Französischen Sprache richtig zu spüren bekommen.

 

So viel für heute, mir fällt grad nix lustiges zu berichten ein, weil mein Kopf grad ganz leer ist…bin grad ausm Bett geplumpst und kann hervorragend schlafen, da mir meine Eltern, durch den SuperGtzweihnachtspostbotenengel Johannes, Ohropax haben zukommen lassen! Vielen lieben Dank Euch dafür!!!

 

Werdet nicht krank und lasst Euch nicht vom Uni- oder Arbeitsstress unterbuttern!!!! Vergesst nicht: La vie est belle sur tôt! (das Leben ist meistens schön!)

 

25.1.08 08:37


Pädagogische Fortschritte

Und schon wieder ist eine Woche rum und meine Tage in Lokossa kann man schon an einer Hand abzählen.

 

Ich sehe dem ganzen mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Ich habe gestern während meiner Kurse gemerkt, dass mir die Lerner schon ans Herz gewachsen sind und dass es mir sehr Leid tut sie nun so im Ungewissen zu lassen. Ich kann ihnen ja nicht einmal den Trost geben, dass da irgendwann irgendjemand nach mir kommt… So rede ich mich dann immer ein wenig raus, was mir aber eher schlecht als recht gelingt. Naja, ich versuch noch möglichst viel meinen Lernern mit auf den Weg zu geben und hoffe, dass sich da doch noch irgendeine Möglichkeit auftut, dass sie weiter unterrichtet werden.

 

Einige Erfolge kann ich schon verzeichnen: Spiele Spielen klappt nun hervorragend und sie haben auch wirklich Freude dran- ich aber auchJ! Sie lernten aber auch viel und sind total motiviert. Ihre Scheu vor dem Sprechen verloren meinen Schüler, doch ich weiß, dass wir zu wenig geschrieben haben, weil ich so gut wie nie Hausaufgaben aufgegeben. Dialoge schreiben ist immer noch ein wenig kompliziert, aber auch im Werden. Die Gruppendynamik ist meistens in den Klassen recht gut, die Schüler lernen eher miteinander, als dass es zu einem Konkurrenzkampf wird. Ich bemerkte, dass die Lerner nicht gegenseitig ihre Namen kannten, doch mittlerweile sind unter ihnen Freundschaften entstanden und sie besuchen sich nun auch gegenseitig, wenn ein Lerner krank ist. Das passiert hier häufig, Malaria und Co.

Leider sind wir nicht so weit aus vielerlei Gründen im Lehrbuch gekommen. Einerseits musste ich des Öfteren Klausuren und Tests mit ihnen schreiben oder die Lernern kamen aus den verschiedensten Gründen nicht zum Unterricht. Andererseits schob ich immer mal eine Extralektion ganz nach Interesse der Lerner ein, z.B. ging ich mit ihnen auf den Markt oder frühstückte „auf Deutsch“ mit ihnen. Dennoch haben wir etwa ein Drittel des A1- Niveaus miteinander bewältigt. Das ist schon ok und entspricht auch ungefähr dem hiesigen Lehrplan, der sich aber natürlich nicht an den „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen“ richtet, was ich jedoch tat.

Im großen und ganzen kann man sagen, dass wir, also die Lerner und ich, die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden und uns echt gut eingespielt haben Wie ich jetzt meinen Unterricht aufzubauen habe, sodass sie mir gut folgen können, haben ich nun ganz gut drauf und auf beiden Seiten ist da eine Bereicherung und Freude am Lernen bzw. Lehren zu merken.

 

Wie kann man sich die Kurse vorstellen? Wir bildeten eine Runde, sodass sich die Lerner gegenseitig angucken können und ich saß meistens mit bei ihnen am Tisch. Das wirkte sich echt gut auf die Atmosphäre des Kurses aus. Die Lerner verbessern sich auch gegenseitig und erklären sich auch gegenseitig einige Dinge. Das ist echt schön zu sehen, wie langsam etwas von Lernerautonomie zu merken ist, was ja anfangs so gar nicht der Fall war.

Anfangs reden wir kurz übers Wohlbefinden und spielen in den ersten 10 Minuten ein didaktisches Spiel, was zum Unterricht passt. Das sind meistens irgendwelche „Schnipselspiele“, die ich mir ausgedacht habe. Ich bereite den Kurs so vor, dass die Lerner möglichst wenig Kopien benötigen und das klappt recht gut. Man wird mit der Zeit einfallsreicher.

 

Na gut, das Wochenende gucke ich mir mal das Goetheinstitut in Lomé, Togo an und werd mich da mal „inspirieren“ und mit Literatur eindecken lassen. Ab Februar bin ich dann ne richtige Cotonouoise und nicht nur so eine, die da ihre Wochenenden verbringt! Ich freu mich drauf, obwohl ich da sooo viel Arbeit habe…Hausarbeiten verfolgen mich sogar bis nach AfrikaL!

 

25.1.08 08:38





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